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11.06.2015

AK für Sie: Schluss mit teurer Nachhilfe

Das ist Stress im Wohnzimmer: 230.000 Schulkinder österreichweit brauchen heuer Nachhilfe -um 20.000 mehr als voriges Jahr. 119 Millionen Euro zahlen die Eltern für Nachhilfe - um zehn Millionen Euro mehr als voriges Jahr. Gleichzeitig werden drei Viertel aller Eltern unfreiwillige NachhilfelehrerInnen, lernen nach der Arbeit daheim mit den Kindern. Diese Zahlen aus der AK Nachhilfe-Studie 2015 zeigen, dass unsere Schule viele Eltern viel Geld und jede Menge Nerven kostet.

Üben in der Schule Nikola, Ezgi und Veli tauchen in der Nachhilfe-Statistik nicht auf. Von allen drei Teenagern hört man, dass sie kaum zu Hause oder mit ihren Eltern lernen. "Zumindest die schwierigen Aufgaben erledigen wir in der Schule, weil wir dort Lehrer und Lerntrainer fragen können", sind sie sich einig. Die drei gehen in eine erste Klasse der Handelsakademie des BFI in der Margaretenstraße im fünften Bezirk, die als Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht geführt wird.

Das heißt, dass die Unterrichtsstunden zwischen 8.25 und 16.40 Uhr über den ganzen Tag verteilt sind. Dazwischen gibt es eine Lern-und Hausübungsstunde. Dazu kommen Förderkurse in Deutsch oder Mathematik, Turnstunden und Nachmittage mit kreativen oder naturwissenschaftlichen Schwerpunkten -vom Werkunterricht bis zum Besuch einer Ausstellung.

Gerade die tägliche Lernstunde trägt dazu bei, die Eltern zu entlasten. Hier wer den nicht nur Hausübungen gemacht, sondern auch der Stoff wiederholt, Vokabel geprüft oder Aufsätze korrigiert. Dass das alles so gut klappt, ist unter anderem Ay e Çali kan und Emira Ahmedoska zu verdanken. Früher gingen die beiden selbst hier zur Schule, heute studieren sie Jus und BWL. Jetzt betreuen sie als Lerntrainerinnen gemeinsam mit den LehrerInnen die SchülerInnen während der Lernstunden - eine Besonderheit der BFI-Schule.

"Wir sind auch für Probleme abseits der Hausübungen zuständig. Wenn irgendwas nicht passt, können sie zu uns kommen", beschreibt Aye ihre Rolle, die auch eine Vermittlerposition zwischen SchülerInnen und LehrerInnen hat.

Eltern entlastet "Sie erklären uns alles noch einmal von Anfang an", sagt Veli, der mit seinen Noten recht zufrieden ist. Nikola erzählt, dass er in seiner alten Schule Nachhilfestunden genommen habe. Jetzt sei das nicht mehr nötig. Die AK Studie belegt, dass er keine Ausnahme ist: In Ganztagsschulen lernen nur noch 24 Prozent der Eltern täglich mit ihren Kindern. In anderen Schulen sind es 40 Prozent.

Die Koordinatoren der BFI-Ganztagsschule, Hans Karner und Karl Pleyl, sind überzeugt von ihrem Weg. "Wir haben mehr Nachfrage als freie Plätze", sagt Karner. Oft komme die Entscheidung für die Ganztagsschule von den Kindern selbst und weniger von ihren Eltern. Fehlstunden und Abbruch-Rate würden sich tendenziell verringern, die Kinder identifizieren sich mehr mit der Schule, und der Kontakt zu den Eltern sei intensiver.

Gratis-Nachhilfe Für OberstufenschülerInnen gibt es das Ganztagsmodell derzeit nur an der BFI-Schule, häufiger ist es an den Wiener Volksschulen, zum Beispiel am Schulcampus Gertrude Fröhlich-Sandner im zweiten Bezirk. Auch hier sind Unterricht, Üben und Freizeit über den Tag verteilt. Ziel ist, dass die Schule in der Schule bleibt. Hausübungen gibt es keine, erfahren wir beim Besuch der 3D.

Und dann gibt es noch die Wiener Gratis-Nachhilfe, genannt "Förderung 2.0". Die gibt es, wenn Kindern eine schlechte Note droht oder die LehrerInnen der Meinung sind, dass Extra-Förderung notwendig ist.

Die Erfolge von Ganztagsschulen und Gratis-Nachhilfe spiegeln sich in der Nachhilfestatistik der AK wider. Die Nachhilfeausgaben der Wiener Eltern gingen um eine halbe Million Euro zurück. Die Eltern sparen Geld und vermindern ihren Stress. THOMAS LEHMANN, ALOIS PUMHÖSEL

Es geht auch ohne Nachhilfeindustrie. Was hilft, wenn teure Nachhilfe nicht infrage kommt.

Ob Ihr Kind Nachhilfe braucht, hängt von der Schule ab: Am häufigsten brauchen Kinder Nachhilfe in der klassischen Halbtagsschule, am seltensten in der echten, so genannten verschränkten Ganztagsschule.

Die meisten verschränkten Ganztagsschulen gibt es in Wien, hauptsächlich in der Volksschule, manchmal auch in der Neuen Mittelschule oder in einzelnen Klassen in der Unterstufe der Gymnasien (Info unter www. schulfuehrer.at). Oberstufe: Ganztagsklassen an der Handelsschule/Handelsakademie des BFI, Info: www.schulenbfi.at

Gratis-Nachhilfe wird seit heuer in den öffentlichen Wiener Volksschulen und für SchülerInnen der öffentlichen Neuen Mittelschulen und der Unterstufe der Gymnasien angeboten. Ob und wie Ihr Kind diese "Förderung 2.0" bekommen kann, erfahren Sie für VolksschülerInnen in der Schule, für SchülerInnen der Mittelstufe an den Volkshochschulen (www.vhs.at/gratislernhilfe)

"Die schwierigen Aufgaben erledigen wir in der Schule, weil wir Lehrer und Lerntrainer fragen können." Nikola, Ezgi und Veli sind zufrieden mit dem Unterricht in der Ganztags-HAK. 

 

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