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30.04.2017

Österreich: Bildung für die Zukunft

Von Weiterbildung bis Schulreform - So will Österreich beim Know-how vorpreschen

Wien. Made in Austria ist ein Qualitätskriterium - und damit es so bleibt, ist Knowhow die wichtigste Zutat, sagen die Experten: Österreich kann im internationalen Wettbewerb nur durch Wissensvorsprung punkten. Thema nummer eins in Sachen Know-how ist derzeit die Digitalisierung. Sie bietet Chancen, aber auch herausforderungen -und daher muss jetzt gehandelt werden, so BFi-Wien-Geschäftsführerin Valerie Höllinger.

Neue F&E-Offensive für die österreichische Wirtschaft

"Wir müssen Österreich in die Gruppe der innovation Leader bringen", sagt höllinger (siehe auch Interview unten): "Wenn ich lese, dass 900.000 erwerbsfähigen Menschen in Österreich wichtige Computerkenntnisse fehlen, haben wir noch einen langen Weg vor uns." Sie fordert investitionen in die Bildungsinfrastruktur -und mehr Offenheit dafür in der Gesellschaft.

Wir lernen länger. Ein wichtiges Thema in der Bildungslandschaft ist die Schulreform: Sie soll Schulen und Lehrer fit für die Zukunft machen, einer der Eckpunkte ist Clusterbildung von Schulen. Doch das ist umstritten: So gab es im Begutachtungsverfahren fast eintausend Stellungnahmen. Erfolge hat Österreich inzwischen bei einem wichtigen Kriterium der Schulausbildung erzielt, nämlich der Schulabbrecherquote -das zeigen internationale Studien. Konkret hat sich die Abbrecherquote in den letzten 10 Jahren um gute 40 Prozent reduziert und liegt jetzt nur noch bei 6,9 Prozent. Gleichzeitig hat der Anteil der Österreicher mit tertiärer Ausbildung (ähnlich der Akademikerquote) über 40 Prozent erreicht.

Neue Modelle für die Bildung der Zukunft

Dass in Österreich freilich nicht alle Bildungsangebote und -modelle auch stark genützt werden, zeigt eine Auswertung des Sozialministeriums: So wurde vor Jahren das Modell der Bildungskarenz eingeführt - einen Teilausstieg aus dem Berufsleben für Weiterbildung. Mit 9.000 Fällen 2016 stagniert die Ausnützung allerdings. Auch die Variante der finanziell geförderten Bildungskarenz liegt seit 2015 konstant bei rund 3.500 Fällen pro Jahr. Wie man die Bildungsangebote weiter optimieren kann, bleibt also ein Thema.

 

Sehe in Digitalisierung das größte Potenzial

Österreich: Wie sehen Sie den Wirtschaftsstandort Österreich? Wo haben wir Vorteile?
Valerie Höllinger: Österreich ist besser aufgestellt, als viele glauben. Vor allem bei infrastruktur, Lebensqualität und Forschung spielen wir in Europas Elite mit. Wo ich abgesehen von der Lohnnebenkostenthematik den größten Aufholbedarf sehe, ist bei der digitalen Agenda und damit verbunden der höherqualifizierung der Menschen. Wenn wir hier nicht rasch investieren und Kompetenzen schaffen, fällt uns das mittelfristig auf den Kopf.

Österreich: Was wäre wichtig, um Österreich noch weiter nach vorne zu bringen?
Valerie Höllinger: ich sehe in der Digitalisierung das größte Potenzial. Wir müssen Österreich in die Gruppe der innovation Leader bringen. Wenn ich aber lese, dass 900.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter in Österreich wichtige Computerkenntnisse fehlen, haben wir noch einen langen Weg vor uns. Wir nehmen uns des Themas an und entwickeln täglich Produkte, um die Österreicher fit für die digitale Zukunft zu machen, brauchen hier aber auch den rückhalt von Wirtschaft und Politik.

Österreich: Wird der Schlüsselfaktor Bildung immer entscheidender?
Valerie Höllinger: Absolut. Bildung ist die wichtigste infrastruktur des Landes. Österreich kann nicht über den Faktor Kosten bestehen. Unser Wettbewerbsvorteil kann nur Know-how sein. Daher gilt es, neben dem Angebot moderner Ausbildung auch gegen den Brain Drain anzukämpfen. Wir bilden großartige junge Menschen aus und verlieren sie ans Ausland. Wir brauchen eine andere Fehlerkultur, die es jungen Wissensträgern ermöglicht, auch etwas auszuprobieren. Und wir benötigen inspirierende Unternehmen. nur so können wir inspirierte Menschen anziehen. Was aber noch wichtiger ist: Wir brauchen ein Umdenken bei der Bildungsfinanzierung. Leben ist Lernen. hier stellt sich unter anderem die Frage der Finanzierbarkeit. Es wird notwendig sein, Co-Finanzierungsmodelle von Privaten, Unternehmen und der öffentlichen hand in Form eines bei Bedarf abruf baren Weiterbildungskontos anzudenken. Ein Teil dieser staatlichen Zuschüsse könnte wiederum durch eine für digitale Aus-und Weiterbildung zweckgewidmete Wertschöpfungsabgabe gespeist werden.

Österreich: Wie verändert sich der Arbeitsmarkt?
Valerie Höllinger: Der Arbeitsmarkt verändert sich durch die Digitalisierung nachhaltig. nachdem es kaum Jobs ohne Kontakt zur iT gibt, sind Fertigkeiten in diesem Bereich essenziell. Die Menschen werden aber auch verstärkt branchen-und kulturenübergreifend zusammenarbeiten. Damit gewinnen Social Skills wie die Kooperationskompetenz wieder an Bedeutung.

 

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