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11.04.2017

Monitor: "Wer sich jetzt nicht verändert, wird verändert"

Die gebürtige Wienerin und studierte Juristin Valerie Höllinger verantwortet im BFI Wien neben den Finanzen und dem Segment New Business den Geschäftsbereich Privat- & Firmenkunden und geförderte Bildungsprojekte, die Bereiche Customer Care & Quality, Pädagogik sowie Vertrieb und Marketing & PR. Davor war sie in den Branchen IT, Telekom, Getränkeindustrie und Erwachsenenbildung tätig.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften am Juridicum Wien absolvierte sie außerdem Post-Graduate-Programme an der IMADEC University sowie der Paris-Lodron Universität Salzburg. Ihr einjähriges Sabbatical nutzte sie für eine Coaching- und Kinesiologie-Ausbildung.

Wir haben mit der Bildungsexpertin über Trends im IT-Training gesprochen, darüber, welche Fähigkeiten IT-Experten in Zukunft brauchen werden und ob die Maschinen den Menschen den Arbeitsplatz streitig machen werden.

Monitor: Von wem sollte Ihrer Meinung nach die Initiative bei Weiterbildungen ausgehen? Sollte der Arbeitgeber seine Mitarbeiter - oft wird in diesem Zusammenhang von Rohdiamanten gesprochen - "veredeln", oder sollte der Arbeitnehmer durch die Aneignung von Wissen selbst seinen Wert steigern?
Höllinger: Die persönliche Aus- und Weiterbildung muss zum Leittopic für jeden werden. Und die Beobachtung der stetigen Entwicklung des eigenen Umfelds und die direkte Reaktion durch Aus- und Weiterbildung ist essenziell, um am Arbeitsmarkt bestehen zu können. Die Erwerbsbiografien haben sich schon vor dem Einzug der Digitalisierung verändert und den Job, den man mit 15 beginnt und bis zur Pensionierung ausübt, gibt es kaum noch. Und es sollte im Interesse jedes Einzelnen sein, hier in die eigene "Wettbewerbsfähigkeit" zu investieren. Gleiches gilt aber auch für die Unternehmen. Der Fachkräfte-Pool - gerade im IT-Segment - ist sehr überschaubar und alle Unternehmen fischen darin. Wer also nicht auf sein "Angelglück" angewiesen sein will, sollte seine eigenen Mitarbeiter weiterentwickeln und wirtschaftlich davon profitieren. Netter Side Effect: Wer in die Höherqualifizierung seiner Mitarbeiter investiert, steigert maßgeblich die Loyalität der Belegschaft und den Wert seiner Arbeitgebermarke.

Monitor: Welche Fähigkeiten werden künftig für IT-Experten wichtig sein? Wie sehen die Jobprofile der Zukunft aus?
Höllinger: Neben dem Fach-Know-how, an dem natürlich kein Weg vorbeiführt, werden vor allem die Soft Skills noch mehr an Bedeutung gewinnen: Vor allem Kompetenzen wie Kooperations- und Teamfähigkeit, disruptives Denken, Umgang mit Diversität etc. werden in einer vernetzten, globalisierten Wirtschaft immer wichtiger. Dadurch, dass die Grenzen zwischen den Berufsfeldern zunehmend verschwimmen, werden die Menschen künftig noch intensiver branchenübergreifend und verstärkt mit Partnern und Mitarbeitern aus anderen Kulturen zusammenarbeiten. Damit rückt die Kooperationskompetenz in den Fokus und Menschen, die zwischen "Technologiepartnern" und "fachlichen Spezialisten" vermitteln können, werden heiß begehrt sein.

Monitor: Bei Buzzwords wie Digitalisierung, Industrie 4.0 oder IoT schwingt im Hintergrund mit, dass Technologie den Menschen Arbeit ab-, oder - negativer ausgedrückt - den Job wegnimmt. Sehen Sie diese Zukunft auf uns zukommen?
Höllinger: Computer übernehmen immer mehr Arbeiten, die von Menschen gemacht werden. Das ist korrekt. Den Menschen ersetzen werden sie aber nicht so schnell. Angst vor der Digitalisierung ist meiner Meinung nach auch die falsche Reaktion auf diese Entwicklung. Vielmehr sollten wir sie als Chance betrachten. Die neuen Technologien sind immer noch das Mittel zum Zweck und nicht der Zweck per se. Schon in der Vergangenheit mussten wir uns an neue Gegebenheiten anpassen und weiterentwickeln. Jetzt gilt es das eben im digitalen Bereich zu tun. Was sich zu früheren technischen Revolutionen verändert, ist das Tempo und die Konstanz der Veränderung: Egal ob beruflich oder privat müssen wir aktiv dazu beitragen, um am Ball bleiben zu können. Das bedingt, dass wir alle permanent in uns selbst durch Weiterbildung investieren und uns die richtigen "Wissenshäppchen" zum richtigen Zeitpunkt aneignen. Das wird uns nicht nur am Arbeitsmarkt noch viel stärker begleiten. Wir als BFI Wien sehen uns hier als Enabler, um den Menschen das Erlernen der notwendigen Fertigkeiten zu erleichtern. Wir sehen unsere wichtigste Aufgabe darin, den Menschen die Kompetenzen zu vermitteln, um sich auch selbst Wissen anzueignen.

Monitor: Ganz hart formuliert: Wenn uns sowieso künstliche Intelligenzen und Roboter die Arbeit wegnehmen, wieso sollten wir uns überhaupt noch weiterbilden?
Höllinger: Aus zwei Gründen: Einerseits dringt die Digitalisierung zwar in alle Berufsfelder ein, wird aber den Menschen nicht überall ersetzen können. Und andererseits: Wer sich jetzt nicht verändert, wird verändert. Es ist keine Frage, ob die Digitalisierung einen Einfluss auf uns hat, sondern welches Ausmaß wir zulassen. Es wäre sehr blauäugig, den Kopf in den Sand zu stecken und die "Digitalisierungsphase" aussitzen zu wollen. Dann wird es zu einer Selffullfilling Prophecy, dass uns die künstlichen Intelligenzen wegrationalisieren. Wer sich aber jetzt weiterbildet, kommt in die Gestalterrolle und kann sich die Fähigkeiten der Maschinen zunutze machen, anstatt sie fürchten zu müssen.

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