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13.09.2016

Tower of Power: Wien hat seine erste „Elektro-Ausbildungs-Tankstelle“

Über 4.000 Einzelteile, zwei PV-Anlagen, eine adaptierbare Kleinwindtestanlage und eine zukunftsweisende Architektur – seit 13.9. „thront“ der Tower of Power über dem 20. Wiener Gemeindebezirk: „Vor vier Jahren war es nur eine Vision: eine von Schulungsteilnehmern errichtete energieautarke Elektro-Tankstelle, die alle aktuellen Elektroautos und Fahrräder mit Strom versorgt und gleichzeitig als moderne Ausbildungsstätte für zukunftsweisende Berufsfelder dienen kann“, erklärt Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des BFI Wien, anlässlich der Eröffnung. „Heute ist diese Vision Realität und ein entscheidender Schritt in Richtung Berufsausbildung der Zukunft gesetzt worden.“ 

Ausbildung mit Zukunft

Hunderte Schulungsteilnehmer des Berufsausbildungszentrums (BAZ) des BFI Wien haben im Zuge ihrer Facharbeiter-Intensivausbildung Baupläne gezeichnet, Modelle entworfen, Fundamente gegossen, Kabel verlegt und über 4.000 Einzelteile angefertigt, die in enger Zusammenarbeit mit namhaften Unternehmen der heimischen Elektro-Mobilitätswirtschaft nun mehr als die Summe seiner Einzelteile ergeben: Eine der modernsten Elektro-Lehr-Tankstellen Europas. „Das Besondere am Tower of Power ist aber nicht nur, dass unsere Auszubildenden schon bei der Errichtung massiv involviert gewesen sind“, ergänzt Valerie Höllinger, Geschäftsführerin des BFI Wien. „Auch in Zukunft wird er als ‚lebende‘ Ausbildungsstätte in den Bereichen Elektrotechnik, Windkraft, KFZ-Mechatronik und im Bereich der Green-Jobs fungieren“, so die BFI Wien-Geschäftsführerin: „Angehende Elektroinstallateure können etwa in der Wartung, Programmierung und im Aufbau von Smart Grid-Systemen ausgebildet werden. Im Feld der Mechanik bieten sich dank der austauschbaren Windturbine Themen wie Windkraftwartung an. Und im KFZ-Bereich kann ein neuer Ausbildungszweig, die KFZ-Mechatronik, angeboten werden“.

Dieses große Potenzial an Schulungsmöglichkeiten in modernen Berufen ist auch einer der Gründe, warum das AMS Wien dieses Projekt finanziert hat: „Ich bin überzeugt davon, dass in der E-Mobilität die Zukunft liegt. Es ist daher unser arbeitsmarktpolitischer Auftrag, die Menschen schon heute in diesen Technologien zu schulen – denn die sogenannten Green Jobs, also Arbeitsplätze in der Umweltwirtschaft, werden zunehmen, und damit auch der Bedarf an Fachkräften mit ‚grüner‘ Zusatzqualifikation“, sagt Petra Draxl, Landesgeschäftsführerin des AMS Wien. „Wir wollen unseren Kundinnen und Kunden die Tür zu diesem jungen Wirtschaftsbereich aufstoßen." 

„Aus- und Weiterbildung ist der Schlüssel zum Erfolg am Arbeitsmarkt und für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes“, betont Alois Stöger, Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. „Österreich kann und will mit Billiglohnländern nicht mithalten, sondern muss auf höchste Qualifikation seiner Beschäftigten als Stärke setzen. Es ist ein Faktum, dass Personen, die keine oder eine zu geringe Ausbildung haben, am Arbeitsmarkt wenig Chancen haben. In diesem Wissen haben wir auch die ‚AusBildungspflicht bis 18‘ eingeführt“, betonte der Minister im Rahmen der Eröffnung. „Innovative Ausbildungen in zukunftsweisenden Berufsfeldern, wie sie im ‚Tower of Power‘ angeboten werden, sind ein wichtiger Schritt, um so viele junge Menschen wie möglich in eine zukunftssichernde Ausbildung zu bringen und für die Arbeitsmarkterfordernisse von morgen schon heute zu rüsten.“

Know-how von den Experten

Dank der Kooperation mit namhaften Unternehmen – das aus den Mitteln des AMS Wien finanzierte Gemeinschaftsprojekt wurde vom BFI Wien gemeinsam mit ABB, B + G Ingenieure, göbl architektur ZT GmbH, HANNL Metallbau GmbH, Hazet Bauunternehmung GmbH, Hebart, Mega Produkte, PVT Austria, Regro, Schmied & Fellmann, SEW-Eurodrive, Sikom Essra und Wien Energie umgesetzt – erwartet die künftigen Schulungsteilnehmer am Tower of Power eine Ausbildung an den modernsten Geräten: „Mit der ABB AG und SEW-Eurodrive haben wir zwei Partner an der Hand, die dank ihrer innovativen Ladetechnologien zu den Größen des E-Mobilitätsbereichs zählen“, sagt Höllinger. „Diese Zusammenarbeit ist wegweisend und ermöglicht unseren Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern schon heute die Technologien der Zukunft zu erlernen“. 

Energieautark und benutzerfreundlich

Ein Highlight des Tower of Power ist die Energieautarkie und die Versorgung mit erneuerbaren Energieträgern: Zwei Photovoltaik-Anlagen am Dach des benachbarten Berufsausbildungszentrums und der Tankstelle selbst sowie eine Kleinwindtestanlage in Form einer austauschbaren Windturbine sorgen für die nötige Energie. Der Tower of Power ist direkt an das Wiener Stromnetz angebunden: Produziert er einen Energieüberschuss, wird dieses Plus in das Netz eingespeist. Umgekehrt bezieht die E-Tankstelle bei Bedarf Energie aus dem Stromnetz – solange die Energiebilanz des Tower of Power positiv ist. „In Summe wird also nicht mehr Energie an die Autos und Fahrräder abgegeben, als vom Tower of Power selbst produziert wird“, so Johann Gettinger, Projektleiter am BFI Wien.

Um den Kunden ab 2017 auch das Bezahlen des Ladevorgangs so einfach wie möglich zu gestalten, setzt das Tower of Power-Projekt bei den Schnellladestationen auf die Wien Energie-Tanke-Karte. Für Wien Energie, Vorreiter auf dem Gebiet der Elektromobilität, sind Elektrotankstellen wie der Tower of Power eine wichtige Verbindung zum öffentlichen Verkehr und der Ausbau der Infrastruktur wesentlich für den Erfolg von Elektromobilität. Im Vordergrund müsse dabei vor allem die Nutzerfreundlichkeit stehen: „Bislang stand beim Ladestellenausbau die Hardware im Mittelpunkt. In Zukunft liegt die Herausforderung in der Software. Die Ladestellen müssen österreichweit vernetzt und einfach bedient werden können – mit Smartphones und Tablets zum Authentifizieren, Reservieren und Bezahlen“, so Robert Grüneis, Vorstandsdirektor Wiener Stadtwerke.

Nicht nur ein technischer Leckerbissen

Neben der verbauten Technik kann der Tower of Power auch optisch punkten: „Diese Stromtankstelle mit dem so markanten und einprägsamen Namen wird nicht nur für die eingebauten bzw. angebotenen technologischen Gustostückerl bekannt werden, sondern auch für seine außergewöhnliche und aufsehenerregende Architektur“, ist Hannes Derfler, Bezirksvorsteher des 20. Bezirks überzeugt. Für den verantwortlichen Architekten und Namensgeber Lukas Göbl, Geschäftsführer göbl architektur ZT GmbH, fungiert der Tower of Power nicht nur als weithin sichtbares Zeichen und markanter städtebaulicher Bezugspunkt, sondern verkörpert auch in seiner Form „die Dynamik, Umwandlung und Gewinnung von erneuerbarer Energie“.

Druckfähige Fotos zur Veranstaltung finden Sie unter 
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/8140.

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