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24.03.2015

Die Meister von morgen sind gefunden

15 Monate, 16 Dreier-Teams aus jungen und arrivierten Mitarbeitern, sechs Firmen, drei Generationen – aus dieser Formel setzte sich das erste firmen- und branchenübergreifende LehrlingsCrossmentoring des BFI Wien zusammen. „Mit dem Programm ‚Meister statt Master‘ wollten wir zeigen, dass uns die restliche Welt zu Recht um unser duales Ausbildungssystem beneidet, dass branchen- und hierarchieübergreifende Kontakte spannend, produktiv und vorurteilsabbauend sind und dass wir alle, unabhängig von Alter und Position, von jedem etwas lernen können“, blickt Valerie Höllinger, Geschäftsführerin des BFI Wien auf die Genese des Programms zurück. „Und ich glaube, das Experiment ist mehr als nur geglückt.“

Mitte März wurden nun die ersten Absolventinnen und Absolventen des LCM ausgezeichnet. 16 Lehrlinge, 16 junge Lehrabsolventen – sogenannte Peers – und 16 Mentoren aus den Unternehmen A1, Bank Austria, BFI Wien, Flughafen Wien, REWE International AG sowie der Wiener Städtische Versicherung erhielten ihre abschließenden Zertifikate: „Es erfüllt uns mit Stolz, wenn man in so kurzer Zeit live miterleben darf, wie sich die jungen Menschen von schüchternen Mauerblümchen zu gefestigten Persönlichkeiten entwickeln und selbstsicher – vor Peers und arrivierten Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen – sich selbst und ihre Standpunkte vertreten können“, so Höllinger zufrieden. „Ziel war es eben nicht nur, das Image der Lehre in der Öffentlichkeit aufzupolieren, sondern in erster Linie den jungen Menschen abseits der fachlichen Ausbildung bei der persönlichen Weiterentwicklung unter die Arme zu greifen.“

Mehr als nur die Schulbank drücken

Dementsprechend lag der Fokus des LehrlingsCrossmentorings auf einem abwechslungsreichen außercurriculären Förderungsprogramm. Über die letzten 15 Monate kochten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam im Workshop zum Thema gesunde Ernährung, lernten im Improvisationstheater ihre Scheu abzulegen und erfuhren von Benimmexperten Thomas Schäfer-Elmayer wie man sich bei einem Geschäftsessen standesgemäß verhält. „Die heimischen Lehrbetriebe beweisen bei den internationalen Wettbewerben, dass sie fachlich zu den besten der Welt zählen“, so Höllinger. „Wir haben versucht, den jungen Menschen zusätzliche Kompetenzen zu vermitteln, die sie nicht in der klassischen Lehrausbildung erwerben und die sie für ein gelungenes und zufriedenes Leben brauchen können. Zudem wollten wir ihnen ein Gespür dafür geben, wie wichtig die eigene Außenwirkung ist“, so die Geschäftsführerin des BFI Wien. 

Und die Lehrlinge nahmen diese Gelegenheit dankbar an: „Neben der fachlichen Ausbildung ist es natürlich toll zu erfahren, wie man durch die Augen anderer Personen wahrgenommen wird und wie man seine Wirkung auf andere noch verbessern kann“, erklärte etwa ein Lehrling nach einem der „Persönlichkeitsentwicklungsseminare mit Funfaktor“. „Manieren statt Blamieren – zu lernen, wie du gut bei anderen ankommst, gleichzeitig erfolgreich sein kannst und Spaß mit dir und den Menschen um dich herum hast, war eine großartige Erfahrung für mich“, meinte ein zweiter Absolvent des LehrlingsCrossmentoring im Anschluss an den „Business-Ethik und Etikette“-Workshop mit Thomas Schäfer-Elmayer.

Über alle Grenzen hinaus

Besonderes Asset des vom BFI Wien initiierten LehrlingsCrossmentoring war laut Höllinger sicherlich, allen Beteiligten einen Blick über den Unternehmenstellerrand zu ermöglichen. Stehen Lehrlinge in anderen Firmen vor denselben Herausforderungen wie ich? Wie gehen Lehrlingsausbildner in anderen Betrieben mit ihren Schützlingen um? Und welche Karrierechancen und welchen Stellenwert hätte ich als Lehrling bei der Firma XY, seien Fragen, die man in der Regel nur sehr theoretisch beantwortet bekomme. „Beim LehrlingsCrossmentoring hatten alle Beteiligten aber die Möglichkeit zum direkten – und vor allem sehr offenen – Erfahrungsaustausch. Der daraus gezogene Erkenntnisgewinn bringt nicht nur jeden Einzelnen weiter. Auch die beteiligten Unternehmen können durch diesen Austausch wertvolle Punkte für den eigenen Lehrbetrieb mitnehmen“, ist Höllinger überzeugt. „Die Ausbildungszeit ist sowohl für das Unternehmen als auch für die Lehrlinge selbst eine besondere Herausforderung. Fragen, Unsicherheiten, Wünsche – das sind Punkte, die in der Regel nur innerhalb des 2er-Gespanns Lehrherr-Lehrling geklärt werden. Eine unabhängige Außensicht und die Erfahrungen anderer Lehrbetriebe zu bekommen, ist hier definitiv ein Mehrwert, der alle Beteiligten in ihren Bestrebungen, das Beste aus einem Lehrverhältnis herauszuholen, weiterbringen kann.“  

Neue Sichtweisen

Hans Steiner, Gründer der „First International Apprentice Academy“ – eine Vermittlungsplattform für Lehrlinge aller Branchen – und als Trainer permanenter Begleiter des LehrlingsCrossmentorings, beschreibt die Initiative des BFI Wien jedenfalls als einmalige Chance für alle Beteiligten: „Wann haben junge Menschen schon die Chance, sich mit Top-Führungskräften zusammenzusetzen, das Networking professionell zu erlernen und auch noch berufliche Erfahrungen zu sammeln?“ Aber auch die „Arrivierten“ haben seiner Meinung nach viel aus dem Programm mitnehmen können: „Jugendliche leben nicht, wie vielfach unterstellt, in einem Wertevakuum, sie haben jedoch traditionelle Werte sozusagen ‚umgewertet‘. 

Hier ist sicherlich für unsere Mentorinnen und Mentoren das größte Feld zur persönlichen Weiterentwicklung gewesen: Schließlich haben diese Lernfelder allen Beteiligten neue Möglichkeiten und Sichtweisen für ihre Arbeit im eigenen Unternehmen geboten.“

Nach dem LCM ist vor...

Bei einer Eintagsfliege will das BFI Wien das LehrlingsCrossmentoring jedenfalls nicht belassen. „Wir arbeiten fieberhaft an der Optimierung des Programms. Und ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: die Fortsetzung wird größer, noch abwechslungsreicher und noch interessanter für die Jugendlichen aufgebaut sein“, verspricht Höllinger abschließend.     

Das BFI Wien beschäftigt zusammen mit seinen Tochterunternehmen rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie über 600 selbständige Trainerinnen und Trainer. Gut 45.000 Menschen nehmen jährlich an den Lehrgängen, Kursen und Seminaren des Erwachsenenbildungsinstituts teil. Zu den Tochterunternehmen des BFI Wien zählen die Fachhochschule des BFI Wien mit ihren sieben Bachelor- und sechs Masterstudiengängen, die Schulen des BFI Wien (HAK/HAS) und die gemeinnützige Job-TransFair GmbH, die am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen bei der Suche nach dem richtigen Job unterstützt.

 

Rückfragen: 

Mag. Jan Weinrich, MBA                 
BFI Wien, Pressesprecher                        
j.weinrich@bfi.wien                                   
T +43 1 811 78-10 355
M +43 699 168 62 355

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