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10.07.2012

BFI Wien-ExpertenClub: Neue Trends am Arbeitsmarkt und im Recruiting

BFI Wien-ExpertenClub: Neue Trends am Arbeitsmarkt und im Recruiting

Auch zum Summer Special des BFI Wien-ExpertenClubs in Kooperation mit der Buchhandlung Manz kamen am 10. Juli wieder zahlreiche PersonalmanagerInnen, ProkuristIinnen, VerkaufsleiterInnen und GeschäftsführerInnen aus unterschiedlichen Branchen.

„Mit dem Format ExpertenClub bieten wir seit drei Jahren aktuelle, spannende bis brisante Themen für Unternehmen an – eine Möglichkeit, sich mit ausgewählten aktuellen Fragen zu Praxis und auch Theorie der Personalarbeit bzw. mit Führungsthemen auseinander zu setzen, sich mit erfahrenen PraktikerInnen auszutauschen, zu vernetzen“, erklärte Dr. Valerie Höllinger, kaufmännische Geschäftsführerin des BFI Wien, in ihrer Begrüßungsrede. „In diesem Jahr ist Change Management das Thema. Es geht darum, sich den neuen Anforderungen der Wirtschaft  zu stellen, bzw. auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes und im Bereich HR zu reagieren. Auf das Recruiting im Change bezogen stellt sich die Frage, auf welche Kompetenzen speziell  bei neuen MitarbeiterInnen geachtet werden muss. Neben den fachlichen sind persönliche Skills, Einstellungen und Haltungen im Umgang mit Veränderungen maßgeblich: wie z.B. Analyse- und Innovationsbereitschaft, Konfliktmanagement bis hin zur Freude an Neugestaltung“, so Höllinger.

Diesmal war Mag. Günther Tengel, geschäftsführender Gesellschafter von Amrop Jenewein und Chairman von Amrop Zentral- und Osteuropa, als Experte geladen, um neue Trends am Arbeitsmarkt und im Recruiting zur Diskussion zu stellen.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Viele Suchende auf beiden Seiten

„Das Einstellen und Halten von Talenten ist wahrscheinlich das Hauptthema des HR-Managements“, stellte Tengel fest.  Im Verlauf des fesselnd-unterhaltsamen Vortrags ging er  gleichwohl auf die Bedürfnisse von Dienstnehmern wie der anstellenden Unternehmen ein, und behandelte die Probleme, Ängste und Anforderungen von ungelernten ArbeiterInnen bis hinauf zum Top-Management bzw. auf Vorstandsebene. Personal- und Qualifikationsthemen werden immer wichtiger, hier seien Investitionen besonders effizient. Aber laut einer Studie werde beim wichtigsten Thema zu wenig gemacht, bedauerte Tengel. Die gegenwärtige Arbeitswelt zeichne sich u.a. dadurch aus, dass es „einerseits viele Leute gibt, die schwer einen Job finden, und andererseits Firmen geradezu händeringend nach den passenden Mitarbeitern suchen“. Diese Situation werde sich weiter verschärfen, und da laut Studien ein Drittel der Unternehmen sogar überzeugt sei, „ihr Tempo nicht halten zu können“, würden künftig „abenteuerliche Preise für die in manchen Bereichen wenigen Top-Qualifizierten bezahlt“. Es bestehe die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Art, „dass sich die Unternehmen eine hochqualifizierte, gut bezahlte Kernbelegschaft und viele relativ leicht austauschbare Dienstnehmer“ halten. Die Arbeitslosenproblematik werde sich entsprechend verschärfen.

Für Personalisten machte Recruiting-Profi Günther Tengel einige wichtige Punkte aus, die es besonders zu beachten gebe, z.B. den demographischen Wandel und die damit verbundene Herausforderung, auch firmenintern früh genug Nachwuchs für zentrale Stellen im Unternehmen zu entwickeln. Die junge, aufstrebende Generation der frisch von den Hochschulen kommenden Dienstnehmern fordere, so Tengels nächster Punkt, stark ihre „Work-Life-Balance“ ein. Für eine dreimonatige Auszeit, z.B. um dem Kanufahren am Amazonas zu frönen, seien sie bereit, ihre Karrieren hinzuschmeißen – in der Überzeugung, danach rasch wieder eine adäquate Anstellung zu finden und keinen Karriereknick zu erleiden. „Die Botschaft für den Dienstgeber ist: ‚Selber schuld, wenn du mir die Kanufahrt nicht anbietest‘“, hatte Tengel die Lacher auf seiner Seite. Schließlich nannte er „Talent Management“ als ein weiteres Thema: „Die Guten gehen woanders hin, die Exzellenten werden gar abgeworben, die mittelmäßigen bleiben dem Unternehmen treu“ – die schlechten MitarbeiterInnen sind dann gar nicht mehr unbedingt das größte Problem.

Kooperation statt Konfrontation

Wer sich als DienstnehmerIn attraktiv machen will, dem sei aus der Sicht des Experten zu empfehlen, sich nicht nur als Generalist in allen Sparten zu kommunizieren sondern „fundiertes Fachwissen“ zu beweisen. Heißt umgekehrt, dass Personalisten „die inhaltliche Substanz jedes Bewerbers massiv hinterfragen“ müssen. Der langsam nach Europa schwappende amerikanische Trend, dass alle Bewerbungen nach demselben Schema gestaltet werden und die Bewerberinnen und Bewerber zunehmend verwechselbar machen, erleichtere die Personalauswahl nicht unbedingt – ebenso wenig, wie auf der anderen Seite Jobausschreibungen, in denen „vollkommen unrealistische Anforderungen gestellt werden“. Zwei Empfehlungen in Richtung Bewältigung des Change: Kooperation, offene Kommunikation und  Networking anstatt Konfrontation und Kampf sind gefragt. Und die Führungskräfte sollten Branchen-, Rekonstruktions- und Change-Erfahrungen mitbringen.

Mit ihren Stellungnahmen und Fragen nahmen die anwesenden Gäste Tengels Fäden  auf und sprachen angeregt über die Veränderungen der Arbeitswelt und der Personalauswahl bzw. -entwicklung. Ein Anliegen wurde aus der abschließenden Diskussion deutlich: Es ist für beide Seiten – Arbeitsuchende wie Arbeitgebende – immens wichtig, ernst genommen zu werden.

Und damit die Talente auch im Unternehmen bleiben, unterstützt das BFI Wien mit dem Business Service die Unternehmen bei der Personalentwicklung. Das erfordert eine strukturierte Vorgangsweise, die richtigen MitarbeiterInnen und Führungskräfte am richtigen Platz mit den passenden Angeboten weiter zu entwickeln. Das kann auf maßgeschneiderte Aus- und Weiterbildung hinauslaufen, oder man wählt aus den bestehenden Seminaren und Lehrgängen des BFI Wien-Kursprogramms aus. 

 

Rückfragehinweis: 
Mag. Jan Weinrich, MBA
BFI Wien, Pressesprecher
Tel: +43 1 811 78-10355
Mobil: +43 699 168 623 55
Mail: j.weinrich@BFI.wien

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