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09.11.2011

„Es muss das Normalste der Welt sein, wenn ein Mädchen ins Weltall fliegen will“

„Es muss das Normalste der Welt sein, wenn ein Mädchen ins Weltall fliegen will“

„Frauen in die Technik!“, lautet eine bekannte Forderung. Vergangenen Dienstag machte das BFI Wien im Wortsinn „Nägel mit Köpfen“, als gemeinsam mit der Fachhochschule Campus Wien, dem Verein Sprungbrett und dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (WAFF) die „Technik-Messe für Frauen und Mädchen“ abgehalten wurde. Den Rahmen bildeten die „Mariahilfer Frauen-Wochen“, die noch bis 17. November andauern.

Das Wiener Berufsförderungsinstitut war mit Lehrlingen beiderlei Geschlechts und deren AusbildnerInnen vor Ort, die Berufe wie BuchbinderIn, MalerIn, MetallbauerIn und MaschinenbautechnikerIn sowie KraftfahrzeugtechnikerIn erlebbar machten. Zahlreiche SchülerInnen und Lehrpersonen waren dabei, um sich über teils immer noch untypische Frauenberufe zu informieren.

Männerdomänen aufbrechen

Jennifer Alparslan und Barbara Busch, beide 17 Jahre alt, befinden sich im zweiten Lehrjahr für den Beruf der KFZ-TechnikerIn. Für Alparslan ein „Traumberuf, weil ich schon als Kind sehr gerne mit Autos gespielt und mich immer für deren Innenleben und Funktionsweise interessiert habe“. Genau wie Busch hat sie erfahren, dass es „sehr schwer“ ist, als junge Frau in diesen Job zu kommen. Zwar gaben sich die Lehrherren – es sind gerade in diesem Bereich nahezu nur Männer – bei Bewerbungsgesprächen immer interessiert; jedoch haben sowohl Busch als auch Alparslan erlebt, dass es dann oft heißt: „Wir können Sie nicht einstellen, da es in unserem Betrieb keine sanitären Anlagen für Frauen gibt.“

Über das Arbeitsmarktservice gelangten beide in die Überbetriebliche Berufsausbildung in den Lehrwerkstätten des BFI Wien. Da gebe es zwar auch die eine oder andere Diskussion mit männlichen Lehrlingen über die weibliche Eignung, jedoch zeigten sich vor allem die BetreuerInnen „sehr froh darüber, dass sie uns haben“. Dass sich weder Alparslan noch Busch als Exotinnen sehen wird klar, wenn sie von den Berufen ihrer Freundinnen erzählen: Tischlerinnen, Metallbauerinnen und weitere KFZ-Mechanikerinnen. Technisch interessierte Mädchen sollten „sich trauen, ihren Interessen zu folgen“. Auch wenn es schwierig ist: „Versucht es, lasst euch nicht unterkriegen!“

„Frauen haben in vielen Bereichen immer noch schlechtere Karten als Männer, wenn es um Fragen der Ausbildungs- und Berufswahl geht“, sagt Dr. Valerie Höllinger, kaufmännische Geschäftsführerin des BFI Wien. Umso mehr sei es nicht nur ein Kernanliegen ihres Unternehmens, sondern auch ihr persönlicher Auftrag, hier nachzuhelfen: „Es muss das Normalste der Welt sein, wenn ein Mädchen Autos reparieren, Häuser bauen, Kraftwerke planen und ins Weltall fliegen will.“ Dafür setzt sich Höllinger ein, und deshalb unterstützt das BFI Wien mit seinen MitarbeiterInnen und Lehrlingen Veranstaltungen wie die „Mariahilfer Frauen-Wochen“.

Nicht aufgeben, bis die alten Rollenbilder passé sind!

Die Mariahilfer Bezirksrätin und Vorsitzende der Frauenkommission im Bezirk, Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg, erzählt, dass die Frauen-Wochen vor sieben Jahren erstmals stattfanden. „Frauen und Technik“ steht 2011 erstmals als Generalthema über allen Veranstaltungen. Bezirksweit seien alle Schulen informiert worden, zudem haben 17.000 Mädchen und Frauen eine persönliche Einladung erhalten. Für Zoumboulakis-Rottenberg ist klar: „So lange es geschlechtsbedingte Benachteiligungen für Frauen gibt, so lange werde ich dagegen kämpfen!“

Mag.a Anja Götz vertrat den Verein Sprungbrett. Als Beraterin und Ausbildungsbegleiterin dieser Anlaufstelle für Mädchen stellt sie klar, dass „die alten Rollenbilder“ immer noch in den Köpfen der Menschen sind, und junge Frauen oft einfach „nicht auf die Idee kommen, z.B. Tischlerin zu werden“. Selbst wenn es klischeehaft klinge, beginne das Umdenken bei den Eltern und bereits in frühester Kindheit der Mädchen: „Wenn ein Vater mit seiner Tochter auch Lego spielt und nicht nur die Puppenküche bedient, ist das ein wichtiger erster Schritt.“

Die FH Campus Wien war mit Mag.a Ursula Weilenmann vertreten. Sie betonte die Einzigartigkeit der Abteilung „Gender & Diversity Management“ an ihrer Hochschule im österreichischen Fachhochschulbereich und legte ihre Sichtweise dar: „Es liegt auf der Hand, dass junge Frauen schon früh erfahren, was eine Friseurin oder eine Arzthelferin machen. Diese Berufe sind bekannt, und entsprechend oft werden sie als Ausbildungsziel genannt und gewählt. Was aber z.B. eine IT-Fachkraft macht – und dass der technische Bereich gute Gehaltschancen, gesellschaftliches Prestige und Gestaltungsmöglichkeiten bei der Entwicklung der Technologien von morgen bietet: Das ist vollkommen unterbelichtet.“ Darüber hinaus ist Weilenmann als Sozialwissenschaftlerin bemüht, die Bedeutung der Alltagssprache zu betonen. Das Binnen-I sei ein Muss: „Wer sich ernsthaft für Frauenförderung einsetzt, kommt daran nicht vorbei“, entgegnet sie der Kritik, die vor allem aus männlicher Sicht immer wieder gebracht wird.

„Frau und Technik ist kein Widerspruch“, stellt auch die Mariahilfer Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann klar. Mit der Technik-Messe werde belegt, „dass es neben den klassischen Arbeitsstätten auch noch andere Berufe für Frauen gibt“.

 

Rückfragehinweis: 
Mag. Jan Weinrich, MBA
BFI Wien, Pressesprecher
Tel: +43 1 811 78-10355
Mobil: +43 699 168 623 55
Mail: j.weinrich@BFI.wien

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