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07.08.2018

Sätze die mit ,ja, aber‘ starten, schaden der Unternehmenskultur

Interview mit Martina Hagspiel - erfolgreiche Absolventin des DLG Innovationsmanagement und Gründerin des Projekts "Kurvenkratzer" 


Martina Hagspiel hat letzten Herbst den Diplomlehrgang Innovationsmanagement erfolgreich absolviert. Im Team und angeleitet von international tätigen Vortragenden hat sie ihre Idee „Kurvenkratzer“ mittels verschiedener Innovationsmethoden ausgearbeitet und erfolgreich umgesetzt. 

Ihr Projekt ist seit einem Jahr am Start. Wir wollten von ihr wissen, wie es ihr geht und welche Lehren sie aus ihren bisherigen Erfahrungen ziehen konnte. 


Ihr habt mit eurem Projekt Kurvenkratzer den finalen Abschlusspitch vor der Jury gewonnen.
Worum ging es in dem Projekt? 

Martina HagspielHagspiel: Kurvenkratzer-Influcancer wird ein Webportal für Personen, die von Krebs betroffenen sind. Das Projekt beschäftigt sich mit allen Facetten der Erkrankung Krebs, wobei unter dem Motto „Talk about Cancer“ das Tabuthema Krebs gebrochen werden soll. Die Devise lautet: „Wir sprechen über Krebs. Laut.“  Kurvenkratzer, Menschen die gerade noch die Kurve gekratzt haben und mit ihrer Krebserkrankung leben, und ihre Angehörigen sind hier aufgefordert das Wort zu erheben. Dies gelingt uns in Form von Video-Interviews mit Patienten und Angehörigen. Krebsblogger (Influcancer), Personen die über soziale Netzwerke Meinungen machen, und bekannte Persönlichkeiten sind Botschafter des Webportals „Kurvenkratzer - Influcancer“. (Anmerkung: Den Abschlusspitch begleitete dieses kurze Video zum Projekt)


Wie ist es mit dem Projekt und Team weitergegangen?
Hagspiel: Im Mai stand ich mit dem Kurvenkratzer auf der Bühne der Innovationsveranstaltung TEDx TU Wien. Diese Gelegenheit ergab sich Dank Mario Herger, einer der Vortragenden des Innovationsmanagement-Lehrganges. (Anmerkung: Auch hiervon gibt es ein Video).
Das Team aus dem Innovationslehrgang ist nach wie vor ein aktiver Teil des Kurvenkratzer-Teams. Mit 11.09. starten wir mit Kurvenkratzer eine große Medienkampagne, die sich "talk about cancer“ nennt.


Was hast du dir aus dem Lehrgang mitgenommen, bzw. welche Themen haben dir bei der Weiterführung deines Projekts geholfen? Wie lebst du Innovation im Arbeitsalltag?
Hagspiel: Sätze die mit „ja aber“ starten, schaden der Unternehmenskultur. Kritik und Einwände sind erwünscht, aber zur richtigen Zeit. Bedingungsloses Lösungsdenken und der Mut zur Lücke helfen in der Umsetzung (rapid prototyping).


Welchen Personen würdest du den Diplomlehrgang Innovationsmanagement weiterempfehlen?
Hagspiel: Diese Frage zu beantworten ist gar nicht einfach, die Begründung dafür aber schon. 
Unsere Gruppe war extrem divergent. Wir kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen, aus verschiedenen Verantwortungsbereichen und ungleichen Hierarchie-Ebenen. Genau das war aber der Reiz, denn so kamen unglaublich interessante Lösungsansätze ans Licht. Ich würde unsere "Lehrgangsklasse" als eine Ansammlung von High-Performern bezeichnen. Ehrgeizige, interessierte, offene Leute mit dem Willen zur Veränderung.


Innovation ist ein sehr weitreichender Begriff! Was bedeutet er für dich konkret?
Hagspiel: In der Theorie bedeutet Innovation eine geplante und kontrollierte Veränderung, Neuerung in einem sozialen System durch Anwendung neuer Ideen und Techniken. In der Praxis fühlt es sich jedoch komplett anders an. Innovation ist für mich eine kreative, durchaus lustige, manchmal anstrengende, hochinteressante und weitgehend freie Möglichkeit über den Tellerrand zu blicken.


Welche Innovationsmethoden habt ihr damals verwendet, bzw. welche Methoden haben sich auch weiterhin in der Praxis als unabdingbar erwiesen?
Hagspiel: Für mich war der Prozess im Design Thinking anhand des Double Diamond Modelles am hilfreichsten. Hier soll man zuerst explorieren und komplett frei seine Ideen fließen lassen. Dann wird reduziert. Das Gute daran ist, dass im Anschluss (und deshalb double diamond) das Thema ein zweites Mal geöffnet wird und erst am Ende auf Machbarkeit geprüft wird. Hier entstanden für das Projekt Kurvenkratzer ein paar sehr lustige, durchaus mutige und kreative Ideen, an deren Umsetzung wir inzwischen arbeiten.


Während des Lehrgangs habt ihr auch verschiedene Innovation-Labs kennengelernt. Welche Unternehmen habt ihr besucht und welche Erkenntnisse hast du daraus gewonnen? 
Hagspiel: Einige Kurstage haben wir im Innovation Hub der Casinos Austria bzw. im Open Innovation Lab der ÖBB verbracht. Unabhängig vom Inhalt war es interessant zu sehen wie alteingesessene Unternehmen, deren Ruf mancherorts auch recht verstaubt ist, das Thema Innovation aktiv in ihr Haus holen, fördern und auch von den Ergebnissen profitieren.Ein spannendes Detail in der Sache ist, dass es offensichtlich nicht nur um die Innovation per se geht, sondern dass es durch diese neue Abteilung auch zu einem Wandel in der gesamten Unternehmenskultur kommt. Lösungsdenken und aktives Gestalten werden viel mehr gelebt.


Zur Person Martina Hagspiel:

Martina Hagspiel ist im Österreichischen Gewerbeverein für Marketing und Kommunikation Kurvenkratzer
verantwortlich. Sie beschreibt sich selbst als optimistisch, Handschlag gilt, kreativ, Kommunikatorin, Kiterin, herzlich, Lösungsnerd und Naturkind. Sie ist Tochter, Schwester, Nichte, Patin und Freundin. Und sie ist eine von acht Frauen die lt. Statistik in ihrem Leben an Brustkrebs erkranken. Ihre Erfahrung bringt sie dazu das Projekt Kurvenkratzer (www.kurvenkratzer.at) zu gründen, mit dem Ziel das Tabuthema Krebs aufzubrechen. Seit vier Jahren steht sie mit dem Thema Glück auf der Bühne und spricht öffentlich über ihre Erlebnisse.
 
Wer den Kurvenkratzern folgen möchte, kann das hier tun: 
Website: www.kurvenkratzer.at
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