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Genug gestritten?

Wer wünscht sie sich nicht – die Welt gänzlich ohne Konflikte. Sobald Menschen zusammentreffen, kommt es aufgrund unser aller Individualität manchmal zu Meinungsverschiedenheiten. Egal ob privat oder am Arbeitsplatz – wenn die Emotionen hochgehen, werden Argumente mehr oder wenig gesittet ausgetauscht und nicht selten verlässt einer als Verlierer die Streitsituation – ähnlich wie beim Schachspiel. Vor allem am Arbeitsplatz hinterlässt das dann aber oft einen schalen Beigeschmack oder endet sogar vor dem Arbeitsrichter. Warum das nicht immer der einzige Ausweg sein muss, sondern Mediation für alle Parteien zu einer befriedigenden Lösung führen kann, erklärt Barbara Baumgartner, Personalverantwortliche bei der NÖ Hypo Landesbank und Absolventin des BFI Wien-Diplomlehrgangs Mediation und Konfliktmanagement im Interview.

Konflikte im Unternehmen kosten Energie, Zeit und Geld. Es gibt diverse Methoden einen Konflikt zu beheben. Eine Möglichkeit ist die Mediation. Frau Baumgartner, welche Bedeutung hat Mediation in der Personalarbeit für Sie?

Baumgartner: Für mich bedeutet Mediation nicht nur eine Methode zur Konfliktbehebung sondern sie ist übergeordnet als Grundhaltung anderen Menschen gegenüber zu sehen und geprägt durch Eigenverantwortung, Respekt, Empathie, aktives Zuhören, Allparteilichkeit, anders sein nicht zu werten sondern zu akzeptieren usw.

Mediation hat das Ziel, eine allparteiliche, konsensuelle Lösung zu finden. Findet man immer einen Konsens? Und ist das eigentlich gut?

Baumgartner: Es ist grundsätzlich erstrebenswert einen Konsens zu finden, insbesondere im Kontext des Arbeitsumfeldes, da es ja um das weitere gemeinsame Miteinander auf einem anderen Level geht, und dazu ist die Mediation sehr geeignet. Natürlich ist das aber nicht immer machbar und meiner Ansicht nach auch nicht immer geeignet. Die Kenntnisse der Mediation helfen in diesen Fällen aber, klarer herauszuarbeiten, wann dies möglich ist und wann nicht. Und in der Personalarbeit unterstützt die Fähigkeit der Mediation dann, diese Klarheit in Entscheidungen umzusetzen, Grenzen aufzuzeigen und auch nein zu sagen; eine Fähigkeit, die bei Führungskräften heute Grundvoraussetzung sein sollte. Die Kenntnisse der Mediation sind außerdem hilfreich, Trennungen in einem respektvollen Umgang vorzunehmen.

"Schwieriger sehe ich die nach außen nicht sichtbaren Konflikte, die aber unterschwellig sehr viel Energie binden." - Barbara Baumgartner über Konflikte

Mediation klingt theoretisch einfach – also die interessenbasierte Einigung zu erzielen – wie sieht es in der Praxis aus? Wie geht man auf Menschen ein, die den „Konflikt“ nicht konstruktiv lösen wollen, sondern aggressiv reagieren?

Baumgartner: Menschen die aggressiv reagieren sind da vielleicht leichter abzuholen, da sie zumindest Unmut signalisieren und man somit ja eingeladen ist, darauf zu reagieren. Schwieriger sehe ich die nach außen nicht sichtbaren Konflikte, die aber unterschwellig sehr viel Energie binden. Zielführend ist meiner Erfahrung nach immer, den unangenehmen Situationen nicht aus dem Weg gehen zu wollen sondern hinzuschauen, konkret nachzufragen, Emotionen zuzulassen, Klarheit zu schaffen und auch Klartext zu reden, schwierige Gespräche als Führungskraft selbst zu führen und nicht an Dritte zu delegieren. Je früher man in einer Konfliktsituation reagiert, desto besser.

Hat die Mediation Grenzen?

Baumgartner: Ja und nein. Als Mediatorin bin ich nicht Beteiligte im Konflikt und stelle mich als allparteiliche Person zur Verfügung. Ziel ist es, dass die Konfliktparteien in ihrer Eigenverantwortung strukturiert und wertschätzend an ihren Themen oder Problemen so lange arbeiten, um die bestmögliche Lösung für beide Seiten gemeinsam zu erarbeiten. Sollte dies dennoch zum Beispiel auf eine Trennung oder Kündigung hinauslaufen, ist die Mediation ja nicht gescheitert sondern hat eine andere als erwünschte oder erwartete Lösung ergeben. Als Personalverantwortliche und Führungskraft sehe ich das vielleicht nicht so neutral, da es nicht meine bevorzugte Lösung sein kann, möglicherweise einen qualifizierten Mitarbeiter zu verlieren. Andererseits hat sich dadurch eine Konfliktsituation bereinigt, die davor Energie, Zeit und evtl. auch Ausfälle – etwa Krankenstand – gekostet hat.

Mediation ersetzt das Rechtsverfahren. Inwiefern muss man rechtlich firm sein, um als Mediatorin arbeiten zu können?

Baumgartner: Mediation steht meiner Ansicht nach nicht in Konkurrenz zu Rechtsverfahren sondern kann diese auch ergänzen – zum Beispiel bei Scheidungen. Um als Mediatorin zu arbeiten ist es meiner Ansicht nach nicht erforderlich umfassende Kenntnis der Rechtsmaterie zu haben. Sollte die Rechtsexpertise in einer Mediation erforderlich sein, kann ja auch ein Experte konsultiert werden.

Warum haben Sie sich für eine Mediationsausbildung am BFI Wien entschieden?

Baumgartner: Weil ich in meinem beruflichen Kontext sehr häufig mit Konfliktsituationen konfrontiert bin und diese Ausbildung eine wertvolle persönliche und fachliche Weiterentwicklung für mich bedeutet hat.

 

Mediation in a Nutshell:

Mediation ist ein mehrstufiges, strukturiertes Konfliktregelungsverfahren und wurde in Österreich als einem der ersten Länder Europas als außergerichtliche Form
der Konfliktbeilegung auch gesetzlich etabliert. Wie man diese Methode erfolgreich lernen kann, erfahren Sie hier.